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Von der Blüte bis zum Erntebeginn vergehen durchschnittlich 100 Tage, bei später Blüte, so wie 2010, verschiebt sich die Ernte dann weit in den Herbst, manchmal sogar in den späten Winter hinein. Die Herbsttage werden immer kürzer, die Nächte länger, die Rebe muss sich bei später Blüte wirklich beeilen, voll reif zu werden. Der Lohn der Reife in kühler Umgebung ist allerdings feine, frische und fruchtige Aromatik.
Die Rebe ist eine Pflanze, die traditionell im Schatten der Bäume nach oben klettert und dabei zuerst die Energie in die Triebspitzen, in das Wachstum nach oben investiert, um erst zuguterletzt ganz oben in der Krone, im Licht angelangt, umschaltet und ab dann die Energie nicht mehr den Triebspitzen sondern der Traubenreife zugute kommen lässt. Auch im Kulturweingarten haben im August gut belichtete Weinreben (hoffentlich) verstanden, dass es nicht mehr darum geht, weiter in Richtung Himmel zu wachsen, sondern dass die Energieströme zu den Trauben gelenkt werden sollten.
Zurückgebliebene, unreife Trauben können jetzt noch zu Boden geschnitten werden, zu dicht stehendes Laub kann aus der Traubenzone entfernt werden, um Zutritt für Luft und Licht zu schaffen. Am besten gedeihen die Trauben im Halblicht oder Halbschatten. Licht ist notwendig zur Zucker- und Aromabildung. Es sollte aber besser kein hartes, direktes Sonnenlicht sein, sondern das weiche Licht der tiefstehenden Sonne oder ein durch eine lockere Blattwand gefiltertes Licht.
Die wichtigste Eigenschaft des Winzers im Spätsommer und Früherbst ist Ruhe und Gelassenheit, es wäre für die Qualität fatal, die noch nicht voll durchgereiften Trauben vorschnell zu ernten.
Nicht nur mit der Pflege der Laubwand und mit der „grünen Ernte“ kann sich der Winzer im Spätsommer beschäftigen, es ist auch eine gute Zeit, die Reserveweine des Vorjahres zu füllen, die im tiefen, kühlen Keller auf der Feinhefe liegend den Sommer verbracht haben. Jetzt ist für uns die Zeit, um Weine wie Lamm oder Zöbinger Heiligenstein Alte Reben zu füllen. |